Schiffsfonds - Von der Krise in die Insolvenz

Die aktuell schlechte Situation rund um Schiffsfonds hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen hängt die Entwicklung der Fonds sehr stark von der Weltwirtschaft ab...

Anleger von Schiffsfonds müssen sich auf stürmische Zeiten einstellen. Die Branche leidet an hohen Überkapazitäten und Anlegern drohen Milliardenverluste.

 

Anleger von Schiffsfonds haben es nicht leicht. Nahezu täglich erscheinen neue Hiobsbotschaften in den Medien. Viele Fragen sich, wie es nun weiter geht mit den Fonds.

 

Gründe für die Schieflage

Die aktuell schlechte Situation rund um Schiffsfonds hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen hängt die Entwicklung der Fonds sehr stark von der Weltwirtschaft ab. Trübt sich diese ein, sinken die Nachfragen nach Transportmöglichkeiten und somit auch die Frachtraten. Verdeutlichen lässt sich dies anhand des Baltic Dry Index, der als Indikator für die Frachtraten herangezogen wird. Dieser erreichte sein Hoch im Mai 2008 mit 11.793 Punkten und im Gegensatz dazu sein Tief im Februar diesen Jahren mit rund 647 Punkten. Aktuell markiert der Index bei 1157 Punkten.

 

Ein weiteres Problem sind die hohen Überkapazitäten an Schiffen, die auf eine gesunkene Transportnachfrage trifft. Diese Überkapazitäten resultieren aus den wirtschaftlich „stärkeren“ Jahren vor 2008. In dieser Zeit wurden immer mehr Schiffe in Erwartung einer stetig steigenden und somit sich positiv entwickelten Wirtschaft bestellt. Diese Schiffe verlassen nun nach und nach die Werften und stehen einer deutlich nachlassenden Charterrate gegenüber. In diesem Zusammenhang verwundert es daher nicht, wenn eine Vielzahl von Frachtschiffen nicht vollständig ausgelastet und somit nicht in der Lage sind, die anfallenden Kosten wie z.B. Wartung, Kreditraten sowie Personalkosten zu bestreiten.

 

Die Anbieter

Zu den zehn größten Anbietern von Schiffsfonds– gemessen am Eigenkapital – gehören: Nordcapital, Conti, MCE, HCI, MPC Capital, Ottmann Gruppe, Gebab, Vega Reederei, Hanse Capital und Lloyd Fonds.

 

Die Erwerber

Nach einer Analyse des „Verbandes geschlossenen Fonds“ sind 60 Prozent der Kapitalanleger dieses Produktsegmentes männlich. 70,9 Prozent davon über 51 Jahre alt. Die durchschnittliche Zeichnungshöhe wird für das Jahr 2011 mit 26.657 Euro beziffert. Einer Umfrage zufolge haben unter 1126 Anlegern aus dem Jahr 2011 im Durchschnitt mindestens vier verschiedenen Beteiligungen im Depot. Ein Drittel der Befragten gaben an, mehr als 100.000 Euro in geschlossene Fonds investiert zu haben.

 

Die Betroffenen

Alleine in der BRD sollen in den letzten Jahren rund 100 Anlegerschiffe mit einem Gesamtvolumen von 1,7 Milliarden Euro von der Pleite betroffen sein. Auswirkungen hat dies auch vor allem für die börsennotierten Emittenten wie HCI Capital, MPC sowie Lloyd Fonds. Ein Blick auf die Aktienwerte macht dies besonders deutlich. Derzeit kostet eine Lloyd-Fonds-Aktie rund 0,88 Euro, im Sommer 2007 dagegen noch gut 17 Euro.

Betrachtet man den Aktienwert des Schiffsfondsanbieters MPC Capital , musste ein Anleger im Jahr 2006 mehr als 67 Euro für eine Aktie bezahlen, nach heutigem Stand nur noch 0,70 Euro.

 

Für Schiffsfondsanleger bedeutet dieser Einbruch – im Fall einer Insolvenz – den Totalverlust ihrer Einlage. Des Weiteren kann aufgrund des Fondsprospekts in einigen Fällen eine Kapitalnachschusspflicht bestehen. Oftmals werden die Anleger jedoch einfach vor die Wahl gestellt, „freiwillig“ zusätzliches Kapital einzubringen oder durch eine Insolvenz den Totalverlust ihres Kapitals zu akzeptieren.

 

Krise der Banken

Besonders problematisch für die Schiffsfondsbranche ist die zunehmende Zurückhaltung der finanzierenden Banken. Diese ziehen sich zusehends aus dem Markt zurück. So hat erst kürzlich die Commerzbank, welche weltweit als Nummer Drei in Bezug auf Schiffsfinanzierungen galt, ihren Ausstieg verkündet.

 

Hilfe für Betroffene

Wir empfehlen betroffenen Anlegern nun zu handeln. So können je nach Einzelfall Prospektfehler und/oder Fehler bei der Beratung zu Schadensersatzansprüchen führen.

In vielen der uns bekannten Fälle wurden die meist unerfahrenen Anleger nur über die positiven und insbesondere ertragreichen Aspekte der Kapitalanlage informiert. Über die mit dieser Investition verbundenen Risiken, wie beispielsweise die Ungeeignetheit dieser Kapitalanlage als Altersvorsorge, wurde oftmals nicht aufgeklärt. Des Weiteren sind sich die von uns vertretenen Anleger einig, dass sie bei Kenntnis der bestehenden Risiken niemals die Schiffsfonds investiert hätten.

 

Ob auch Ihnen solch ein Anspruch zusteht, prüfen unsere Rechtsanwälte gerne für Sie. Die IVA Rechtsanwalts AG bietet Ihnen durch die ausschließliche Spezialisierung auf das auf Bank- und Kapitalmarktrecht einen auf den Einzelfall zugeschnittenen Anlegerschutz. Sollten Sie eine Beratung wünschen oder weitere Fragen haben, rufen Sie uns einfach an oder nutzen unser Kontaktformular.